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"Enterprise" - Ein paar persönliche Worte
Es ist eine ganze Weile her, daß ich einen "Star Trek Reise" Artikel verfaßt habe, aber die Pause war wirklich notwendig. Nachdem sich in Bezug auf "Endgame" (leider) die meisten Gerüchte als wahr herausgestellt haben, möchte ich nicht länger über dieses Thema spekulieren, sondern mir einfach das Endprodukt am 23. Mai mit der Hoffnung anschauen, daß die Schauspieler, die Effekte und der Spannungsaufbau dieses Finale noch retten können.
Andererseits stagnierten die Nachrichten rund um Serie V. Wir wissen und wußten verdammt viel über die neue Serie, ihren Handlungsrahmen und selbst den Pilotfilm, doch ohne eine offizielle Verlautbarung dazu konnten wir nicht völlig sicher sein, ob wirklich alles der Wahrheit entspricht.
Wir konnten nicht sicher sein - bis letzten Freitag, dem Tag, an dem es sich endlich ereignete, das Star Trek GroßereignisTM. Bereits am Tag zuvor, spät am 10. Mai (EST), hatten alle großen Internet-Entertainment-Newssites die offizielle Paramount Ankündigung klammheimlich veröffentlicht. Interessanterweise hätte ich wohl von dieser bahnbrechenden Entwicklung drei Tage lang nichts gewußt, hätte ich nicht am Freitag morgen meinen Computer für einen kurzen Blick in die Message Boards eingeschaltet. War es ein Bauchgefühl? Vielleicht. Ein guter Instinkt? Mein weiß ja nie. Trek Besessenheit? Ohne jeden Zweifel.
Wie dem auch sei, in Eile aufgrund meiner baldigen Abreise entdeckte ich einen Hinweis bezüglich der langerwarteten und nun endlich veröffentlichten Serie V Ankündigung in einem Thread des TrekBBS - keine einzige Trek Website hatte zu dieser Zeit irgend etwas gepostet, und die meisten Leute waren noch völlig unwissend...
Ziemlich überrascht, aber auch genervt (ich würde mehrere Tage lang die unmittelbaren Auswirkungen dieses bedeutenden Star Trek Ereignisses nicht erleben können!) aufgrund der Bestätigung einer alten Regel (wichtige Dinge passieren - natürlich - immer im ungünstigsten Moment...), entschied ich, zumindest für die deutsche Star Trek Dimension eine kurze Notiz zu schreiben. So kam es, daß um halb neun morgens (MEZ) meine Website eine der ersten war, die auf die Verlautbarung reagiert hatte, noch vor den anderen deutschen Newsseiten. So, genug des Eigenlobs, und zurück zum Thema. ;-)
Nun, die Neuigkeiten waren eigentlich gar keine für mich, so wie sie wohl für die meisten Trekker, die sich regelmäßig der modernen Mittel der Kommunikation bedienen, keine waren. Die offizielle Ankündigung der fünften Serie, "Enterprise", ihres Stars, Scott Bakula, welcher Captain Jonathan (eine kleine Änderung von "Jackson") Archer darstellt, der anderen Charaktere und gestern letztendlich des Zeitrahmens (mit der Last-Minute-Überraschung, daß die Serie im frühen 22. Jahrhundert spielt, also nur hundert Jahre nach unserer Gegenwart) war mehr eine Bestätigung all der Gerüchte, der semi-offiziellen Kommentare der Schauspieler und der diversen Insidernews.
Das Casting Sheet, das Archer zum ersten Mal erwähnte, wurde Anfang März im Internet veröffentlicht. Kurze Zeit darauf tauchten auch bereits die ersten Gerüchte bezüglich des "Enterprise" Titels der Serie (und des Raumschiffs), und bezüglich Scott Bakula ("Quantum Leap") auf, welcher angeblich die Hauptrolle in der neuen Serie übernehmen sollte. Jedoch war die tatsächliche Prämisse, welche noch *vor* der Gründung der Sternenflotte und selbst der Föderation angesiedelt ist, bis Anfang April unbekannt, lange nachdem das Casting Sheet und Tonnen von anderen Infos an die Öffentlichkeit gelangt waren. Diese wiesen auf eine Prequel Serie des 22. Jahrhunderts hin, so daß jeder annahm, daß das "Geburt der Föderation" Konzept, welches zu diesem Zeitpunkt bereits seit Monaten im Netz umhergeisterte, als Prämisse gewählt worden war. Zugegebenermaßen liegen aber beide Zeitrahmen nur ein paar Jahrzehnte auseinander, doch die Konsequenzen sind drastisch: eine Serie ohne die im 23. und 24. Jahrhundert allgegenwärtigen Institutionen, ohne Sternenflottendirektiven und Föderationsgesetze würde in Bezug auf Hintergrund und Handlungsprinzipien sogar noch mehr vom altbekannten Star Trek abweichen.
All diese vermuteten Aspekte, welche wir nun als offizielle Fakten akzeptieren, sind in den letzten zweieinhalb Monaten aufgetaucht. Ja, ich erinnere mich noch daran, daß ich in meinen ersten Artikeln diese "Insider"infos mit einer Haltung, die von Hohn bis absolute Ablehnung reichte, bewertete. Ich machte mich über das "nett gefälschte" Casting Sheet lustig ("Wahr oder Falsch?"), rief mutig dazu auf, die Serie nicht zu "Star Trek: Weißer Männlicher Amerikaner" zu machen und arbeitete Scott Bakula sogar in den obligatorischen Aprilscherz der Star Trek Dimension ein. Als die Zeit voranschritt und immer mehr Andeutungen darauf hinwiesen, daß die eine oder andere Vermutung wahr sein könnte, begann ich zu akzeptieren, daß die Wahrscheinlichkeit einer Serie, wie sie durch die Gerüchte umrissen wird, doch nicht so gering ist wie ich ursprünglich dachte.
Ja, die eine oder andere Vermutung. Wer hätte denn wissen können, daß wirklich *alle* der echt erscheinenden Gerüchte auch tatsächlich echt waren??? Ich konnte es kaum glauben, als ich meine persönliche Bestätigung dafür am 10. April erhielt, ironischerweise nur ein paar Stunden vor der Veröffentlichung des umfassenden Pilotfilm-Reviews, welches das, was mir erzählt wurde, noch einmal bestätigte, und keinen Zweifel daran ließ, daß die neue Serie "Star Trek: Enteprrise" mit einer Prä-Föderations-Prämisse sein würde (was übrigens auch meine "Offenheit" bezüglich dieses Prequel-Konzepts im letzten Artikel erklärt).
Wenn ich mir nun noch einmal die ganze Entwicklung seit März vor Augen führe, komme ich zu der Schlußfolgerung
- Wir leben jetzt tatsächlich im 21. Jahrhundert, oder dem dritten Jahrtausend, da urplötzlich alles, was echt aussieht, auch tatsächlich echt ist. Was ist denn bloß aus den guten alten falschen Gerüchten (die diese Bezeichung wirklich verdienen), den Fehlinformationen und offensichtlichen Trugschlüssen geworden?
- Gerüchte (und nicht nur Gerüchte) sausen mit Warp 10 durchs Internet. Sie tauchen von einem Moment zum anderen auf und sind dann überall gleichzeitig. Und manchmal scheint es fast, als wären sie da, bevor es irgend jemand auch nur realisiert hat. Soviel zu Zeitreisen...
- Die Sicherheitsmaßnahmen von Paramount sind absolut lächerlich. Tatsächlich hätten wir aber gewarnt sein sollen, daß es größere "Lecks" gibt, welche kritische Informationen zu den neuen Filmen und Serien sehr frühzeitig veröffentlichen, seit dem Moment da die vollständige Handlungszusammenfassung zu "Star Trek: Der Aufstand" im Internet auftauchte - im März 1998, neun Monate vor der Premiere!
Keiner weiß etwas davon? Das Gerücht hat das Internet noch nicht erreicht? Vergeßt es, TPTB!
- Ich sollte potentielle Fakten nicht vorzeitig eine Absage erteilen, egal, wie lächerlich sie wirken (und wie sehr ich sie hasse *schnief*). Und ich sollte diese Lektion eigentlich gelernt haben, seit sich der unglaubliche "Nazis im Weltraum" Spoiler als ein wirklich existierender Zweiteiler entpuppte... Ja, das ist die "suspense of disbelief" (die Bereitschaft, das irreale als real, das unmögliche als möglich zu akzeptieren) in einem ganz neuen Kontext...
Noch nicht einmal eine Woche nach der offiziellen Verlautbarung sind die genannten Punkte durch einen ganzen Stapel an neuen Gerüchten, Entschuldigung, potentiellen Fakten in Bezug auf Details zu Serie V untermauert worden. Wir kennen nun den vollständigen Cast und die Rollen, welche jeder spielen wird, wir haben Infos zum Uniformendesign erhalten, zu Charakternamensänderungen und sogar zum gegenwärtigen Pilotfilmtitel. Ich versuche erst gar nicht, diese "Fakten" anzuzweifeln. Selbst wenn sie falsch sein sollten, was macht es schon aus?
Es sind doch nur noch bloße Details eines Bildes, dessen grundlegendes Motiv wir nun endlich mit Sicherheit kennen.
"Enterprise" - Große Chancen, größere Risiken
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Das "Enterprise" Logo
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Wir leben gegenwärtig definitiv in aufregenden Zeiten. Eine großartige Star Trek Serie (was auch immer die große Basher-Gemeinde dazu sagt), "Star Trek: Voyager", wird nächste Woche auf ihre letzte Reise gehen, mit einem Finale, welches nicht der Abschluß sein mag, den wir uns ersehnt haben, das aber sicherlich nicht sieben Jahre spannende und zum Nachdenken anregende Unterhaltung auslöschen kann, und hat die Fackel bereits an ihren Nachfolger "Star Trek: Enterprise" weitergereicht, da an diesem Montag der Dreh des Pilotfilms begann und die neue Serie dann im Herbst ganz offiziell das Steuer des Franchises übernehmen wird. Jedoch bin ich der Meinung, daß einige Fans zu überwältigt von den derzeitigen Entwicklungen sind. Sie sind so aufgeregt, daß sie ihre Objektivität und ihren klaren Sachverstand verloren haben. Ja, die neue Prequelserie könnte eine Wahnsinnsreise werden, aber wir sollten nie vergessen: es wird keinesfalls eine einfache werden. In den folgenden Abschnitten will ich versuchen, meine Hoffnungen und Erwartungen als auch meine Sorgen und Ängste in Bezug auf Enterprise näher auszuführen. |
Zunächst folgendes: ich denke nicht, daß eine Prequelserie grundsätzlich etwas schlechtes ist (tatsächlich bevorzuge ich "Die dunkle Bedrohung" über alle anderen Star Wars Filme, aber, das ist ein anderes Universum...) Meiner Ansicht nach hat die 22. Jahrhundert Prämisse eine ganze Menge Potential. Die Star Trek Serien des 24. Jahrhunderts TNG und Voyager, und, zu einem weitaus geringerem Grad, die Originalserie und Deep Space Nine, zeigten uns eine idealisierte, utopische Zukunft, in der die Menschheit Hunger, Kriminalität und Krieg besiegt hat, in der fast perfekte, gereifte, vernünftige und sehr intelligente Menschen leben und arbeiten, um sich selbst und den Rest der Menschheit zu verbessern. Mit diesem Grundgedanken verkörperte Star Trek wirklich eine einzigartige Form von Science Fiction, da Shows diesen Genres gewöhnlich eine dunkle, pessimistische Zukunft darstellen (wobei sie damit die Angst und den Fatalismus der Leute zu Beginn des 21. Jahrhunderts reflektieren). Die Vision von Star Trek war und ist immer eine Vision der Hoffnung und Zuversicht gewesen, welche eine Botschaft trug, die die Menschen ermutigt, ihnen Hoffnung gibt und sie wirklich dazu bringt, dort leben zu wollen. Nun kann dieses Konzept nicht einfach geändert werden, auch nach vier Star Trek Serien nicht, aber es ist zumindest ein neuer Blickwinkel erforderlich. Wie Sie vielleicht wissen, denke ich nicht, daß der wahre Kern von Star Trek, die Idee dahinter, auf eine bestimmte Zukunft oder überhaupt auf eine Zukunft beschränkt ist (es ist "psychologische Science Fiction" losgelöst von den klassischen futuristischen Elementen). Meiner Meinung nach ist die besagte VIsion universell und auf jeden beliebigen Schauplatz und jeden beliebigen Zeitrahmen übertragbar, was z.B. durch die Voyagerepisode "23:59", eine Star Trek ähnliche Geschichte, welche in unserer Gegenwart spielt, bewiesen wurde. Solange der Geist der Aufklärung und des Humanismus bewahrt wird, ist es irrelevant, wo und wann die Reisen stattfinden.
"Star Trek: Enterprise" ist nun zum ersten Mal an einem völlig neuen, viel früheren Zeitpunkt der Trek Zeitlinie angesiedelt, und könnte diese dringend nötigte, frische Sichtweise präsentieren.
Wir wissen alle, daß das Utopia, das Eden des 23. und 24. Jahhrunderts nicht von einem Moment auf den nächsten erschaffen wurde. Tatsächlich war "Star Trek: Der Erste Kontakt" die erste Geschichte, welche uns einen kleinen Einblick darauf verschaffte, wie das Leben auf der Erde war, bevor eine Weltregierung eingesetzt und eine interstellare Allianz geschmiedet wurde (aber immer noch einige Zeit nach unserer Gegenwart), und wie nach dem vielleicht wichtigsten Ereignis in der Geschichte des Menschen "alles anders wurde": dem ersten Warpflug, und dem Ersten Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation. Obwohl "Enterprise" ein halbes Jahrhundert nach diesen Vorkommnissen spielt, wird uns die Serie höchstwahrscheinlich nicht das Ziel der Entwicklung zeigen. Die Serie wird uns die Entwicklung selber zeigen: wie der Erste Kontakt die menschliche Sichtweise des Universums veränderte und das Leben des Menschen beeinflußte, nun, da ihm bewußt werden muß, daß er nicht nur nicht allein im Kosmos, sondern außerdem nur ein winziger Bestandteil einer größeren galaktischen Gemeinschaft ist. Wie sich das Mißtrauen zwischen den "irrationalen" und gefühlsgetriebenen, "primitiven" Menschen und der vernunftbetonten, weiterentwickelten vulkanischen Rasse zu einem neuen Verständnis entwickelte. Wie die Zusammenarbeit und der kulturelle Austausch der Menschheit dabei half, die nächste Sprosse auf der Leiter der technologischen und sozialen Evolution zu erklimmen. Und die Serie könnte bestimmte Aspekte von Star Trek wiederbeleben, die heute "ausgetragen" erscheinen oder irgendwie seit TOS und "Star Trek: The Next Generation" verloren gegangen sind. Das Problem ist, daß wir uns zu sehr ans 24. Jahrhundert gewöhnt haben. Wir sind so vertraut mit dem Leben im Weltraum (bzw. der Star Trek Version davon), daß es für uns nichts mehr besonderes ist. Im Gegensatz hat in unserer Zeit Kennedys letzte Grenze immer noch etwas mystisches und romantisches an sich. Dieses ehrfürchtige Staunen in Anbetracht der Vielfältigkeit des Universums und der damit verbundenen neuen Möglichkeiten, der neuen Lebensarten, und der tatsächlichen Erforschung eines unentdeckten Landes (in beiden Sinnvarianten) sind Aspekte, welche besonders in die Ära der neuen Serie passen.
Wenn nun "Enterprise" diese optimistische, Roddenberry'sche Entwicklung der Menschheit hin zu einer nicht für möglich gehaltenen Exzellenz und Perfektion, und ihr Streben nach einer neuen Form der Existenz im Lichte der Erweiterung aller Grenzen darstellt, dann wird sie erfolgreich den Star Trek Geist bewahren und erweitern können.
Somit betreffen meine Probleme mit "Star Trek: Enterprise" nicht die beabsichtigte Idee oder Prämisse (von welcher wir bereits im Casting Sheet und dem Pilotfilmreview klarere Vorstellungen bekommen haben), sondern die letztendliche Umsetzung dieser reinen Gedankengerüste. Eine Prequelserie allgemein, und im besonderen Maße eine Star Trek Serie, die vor 9 Kinofilmen und über 600 Episoden aus vier anderen Serien spielt, verlangt eine Menge Verantwortung, Vernunft, Ausdauer, und die unbedingte, vollständige Kenntnis des etablierten Backgrounds (sofern das bei Star Trek überhaupt noch möglich ist). So muß ich mir erstens die Frage stellen: sind die Autoren denn überhaupt dazu bereit, die in 170+ Episoden Prequel-Trek aufgebaute Kontinuität der Star Trek Zeitlinie und die Grundlagen des Star Trek Universums aufrechtzuerhalten? Und, darüberhinaus, beabsichtigen sie wirklich, das Wissen der Crew in Bezug auf das Universum im allgemeinen und Treknologie im speziellen zu begrenzen? Im 22. Jahrhundert ist noch alles (relativ) neu für die Menschheit: die äußeren Regionen des Alls, die außerirdischen Rassen, die fantastischen neuen Technoligien. Und, was das wichtigste ist: viele dieser Dinge sind ihr sogar noch gar nicht bekannt, davon ausgehend, daß sie zu dieser Zeit noch nicht entdeckt oder erfunden wurden, oder sogar in der Zukunft noch neu waren. Ich spreche von Technologien wie dem Holodeck, dem Replikator und dem Phaser, von einem Großteil des Alphaquadranten und Regionen des Weltraums, die weiter als ein paar dutzend Lichtjahre von der Erde entfernt sind, in Bezug auf die galaktische Kartographie, und von solchen Spezies wie den Ferengi, den Borg und den Trill. Außerdem müssen die meisten unlösbaren Situationen genau das für die Enterprise-Crew sein: unlösbar. Deus Ex Machina und "Technobabble" dürfen keine "Lösungen" mehr sein; sie können nicht einfach ein neues wundersames Teilchen oder eine obskure neue Technologie aus ihrem Hut zaubern, um den Tag zu retten. Sie haben das bisher so gehandhabt, ja, aber dieses Mal sind die Konsequenzen von Bedeutung. Zum Beispiel hat Voyager, so gut es Roddenberrys Vision auch behandelt hat, der Koheränz des Star Trek Universums, der Wissenschaft und der Chronologie ziemlichen Schaden zugefügt. Indem ständig neue Waffen-, Antriebs- und Kommunikationssysteme "entwickelt" wurden, welche es ermöglichten, die Borg zu besiegen, zehntausende Lichtjahre innerhalb von Tagen zu reisen und transgalaktische Zweiwege-Kommverbindungen mit der Erde zu etablieren, machen es sehr schwierig, sich eine Zukunft für die Serie vorzustellen, in der die Föderation keine galaktische Supermacht sein würde. Während diese Entwicklung unerwünscht, aber nicht implausibel ist, besteht bei Enterprise der Unterschied, daß die Serie bereits eine etablierte Zukunft hat. Und während es für die anderen Serien lediglich eine (wenn auch gewollte) Option ist, so müssen sich die Episoden einer Prequelserie an die Prämisse und den gesamten Background des Star Trek Universums anpassen und unterordnen, nicht umgekehrt. Dies ist eine unbedingte Notwendigkeit, um die Glaubwürdigkeit und Interserienkontinuität sicherzustellen (wobei die Kontinuität zwischen den Episoden so begrenzt wie bei TNG und VOY sein könnte, in Hinblick auf die Bevorzugung des klassischen episodischen Fernsehformats durch TPTB). Jedoch wissen wir alle, daß die Voyagerautoren sich nur allzuoft nicht an diese Formel gehalten haben, sondern die Charakterkonsistenz, Kontinuität und Trek Technologie nach Belieben verändert haben, damit sie zu den intendierten Geschichten paßt. Und dies geschah nicht aus Unwissenheit. Es war pure Ignoranz und der allgemeine Wunsch "sicher zu spielen", also alle (Gegenheits-)zuschauer zufriedenzustellen, und dafür keinerlei Risiken einzugehen, sondern stattdessen nette "P.C." Lösungen anzubieten. Manchmal war es eine wirkliche Beleidigung für die Intelligenz der wahren Fans. Und wenn Sie sich nun überlegen, wer die Erschaffer und ausführenden Produzenten der neuen Serie sind, werden Sie vielleicht meine Ängste in Bezug auf "Enterprise" verstehen...
Zweitens ist aber auch die Star Trek Vision selber, und alles was Star Trek ursprünglich für das Publikum bedeutete, in Gefahr. Das Star Trek Universum des 22. Jahrhunderts und seine politischen und sozialen Standards ermöglichen den Autoren genau jene Bequemlichkeit im Denken, die sie gewöhnlich so intensiv anstreben. Zusammenfassend kann man sagen, daß, wenn sie nicht vorsichtig sind, nicht viel von der "psychologischen Science Fiction" übrig bleiben wird.
Machen wir uns klar: die Star Trek Zukunft, besonders die, welche in TOS und TNG dargestellt wurde, weicht sehr von unserer Gegenwart ab, und ich spreche nicht von der Technologie. In den 1960ern, als Star Trek das erste Mal über die Bildschirme flimmerte, zeigte es nicht nur wissenschaftlich-technischen, sondern auch sozialen und moralischen Fortschritt, welcher wirklich revolutionär - und mutig - für die damalige Zeit war. Rassen- und Geschlechtsfragen, die in anderen Mainstreamserien noch nicht einmal angesprochen worden wären, wurden offen diskutiert, und die Diskrimierung im täglichen Leben der Sechziger wurde aufgedeckt und verurteilt.
Dies war einer der Punkte, warum die Originalserie so einzigartig, so bahnbrechend war, und warum sie ihre Zuschauerschaft für so lange Zeit halten konnte.
Die Föderation war nicht wirklich das Amerika der Nachkriegszeit. Star Trek zeigte individuelles Denken, gegenüber Nationalismus und Patriotismus, es zeigte einen gewissen Grad an Pazifismus und eine nicht-militärische, wissenschaftliche Ausrichtung, gegenüber Militarismus, und es zeigte eine nicht auf Geld oder Gewinn basierende Wirtschaft, gegenüber einer materialistischen, kapitalistischen Gesellschaft. Während Institutionen wie Föderation und Sternenflotte den Background der Abenteuer bildeten, bestimmten entsprechende Regeln die Aktionen unserer Helden (mehr oder weniger). Die Föderationscharta und die Oberste Direktive stellten zum Beispiel sicher, daß sich niemand in die Angelegenheiten eines souveränen Staates bzw. einer Prä-Warp-Zivilisation einmischt. Diese Institutionen und Regeln waren das Gerüst, welches TOS und TNG, jeweils in Bezug auf die Gesellschaft ihrer Zeit, so reif und fortschrittlich erschienen ließen.
Jedoch, beginnend mit Star Trek: Deep Space Nine hat Star Trek irgendwie seinen sozialen Weitblick verloren und erscheint immer mehr als ein reiner Spiegel der Gegenwart. Es ist schon bemerkenswert, daß beide Post-TNG-Serien, so verschieden sie auch waren, beide hochqualitatives Fernsehen und Star Trek präsentierten und doch die Saga auf ihre Weise schädigten.
Während Voyagers großer Fehler die Umsetzung war, hat für mich Deep Space Nine in den späteren Staffeln die Idee, die Vision dahinter irgendwie verfälscht. Es gab keinen Frieden, sondern Krieg, keine Hoffnung, sondern Verzweiflung, kein rationales Denken, sondern Spiritualität. Natürlich war die Serie zum Teil deshalb so unterschiedlich, weil sie außerhalb der Föderation angesiedelt war und mehr als jede andere Star Trek Serie außerirdische Kulturen (Bajoraner und Cardassianer) in den Mittelpunkt rückte.
Ausgehend von dem Schauplatz im frühen 22. Jahrhundert und der resultierenden Konsequenzen für den Star Trek Background bestehen bei "Enterprise" ähnliche Risiken, besonders wenn TPTB zu viele neue Autoren einstellen, welche keine Erfahrung mit Star Trek haben. Außerdem: es gibt keine Föderation in der neuen Serie, und keine Sternenflotte. Damit existiert auch die Oberste Direktive noch nicht (was angesichts der fehlenden Erfahrung im Umgang mit außerirdischen Kulturen auch logisch ist), und es ist eher zweifelhaft, ob die Erdorganisation, der die Enterprise angehört (UESPA oder Erdstreitkräfte) ebenfalls einen primär wissenschaftlichen Auftrag hat.
Somit sind den Autoren alle Mittel in die Hände gegeben, um die Serie vielleicht dramatischer und realistischer zu gestalten, aber gleichzeitig auch, um sie vom eigentlichen Sinn und Zweck von Star Trek zu entfernen.
In Hinblick auf die "Enterprise" Besetzung (und, natürlich, die entsprechenden Infos von dem inoffiziellen, aber weitestgehend korrekten Casting Sheets) mißfällt mir besonders der "Soldat des 22. Jahrhunderts" Malcom Reed und seine Besessenheit von Waffen (angedeuteter Militarismus). Und weitere Fragen ergeben sich, wenn man etwas länger über die Prämisse nachdenkt: Wird es Religionen geben, oder bereits ein humanistisches Weltbild, ähnlich dem der Föderation? Wird es Vorurteile und Diskriminierung geben (in diesem Fall besonders in Bezug auf außerirdische Kulturen), Kriminalität und Gesellschaftslaster (Drogen und Rauchen), eine materialistische, geld-orientierte Gesellschaft? Sie sehen, es gibt so viele Punkte, in denen die Serie sehr von "unserem" Star Trek abweichen könnte, und die sie wohl letztendlich von der ursprünglichen Vision wegbringen würden... Nun, ich weiß, daß einige Fans genau das mögen würden, aber hier geht es, natürlich, um meine eigene Sichtweise der Dinge. Und ich möchte wirklich nicht, daß Star Trek zu einem zweiten Babylon 5 wird.
| Jedoch, weitaus wahrscheinlicher als die Abkehr von der sogenannten Star Trek Vision zugunsten eines "dunkleren" Star Treks ist die weitere Amerikanisierung der Saga. Ich glaube in der Tat, daß "Enteprrise" die wohl amerikanischste und Gegenwart-bezogenste Star Trek Serie werden wird, und ehrlich gesagt gefällt mir das überhaupt nicht. Schon Deep Space Nine und Voyager bezogen sich so oft ausschließlich auf amerikanische Charaktere, Beziehungen und Bräuche, anstatt uns die vielzitierte unendliche Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination doch mal in der Praxis zu zeigen. Und nun läßt schon die Enterprise Besetzung allein, welche ausschließlich aus anglo-amerikanischen Charakteren besteht - mal vom notwendigen Alibiminderheiten-Charakter (die Japanerin Hoshi Sato) abgesehen -, die berühmte Star Trek Multikulturalität vermissen. In der Tat empfinde ich eine starke Abneigung angesichts des Nationalismus und Masochismus dieses ziemlich reaktionären Ensembles. Zugegeben, sowohl "The Next Generation" als auch "Deep Space Nine" hatten jeweils nur zwei Frauen im Cast, und drei von vier Star Trek Serien hatten einen amerikanischen Captain (wobei Earl Grey Fan Captain Picard dann aber auch eher Engländer denn Franzose war). Aber: Ich hatte gehofft, daß "Enterprise" nicht auch in sozialen Belangen ein Prequel werden würde, sondern den bemerkenswerten Vorsprung von Star Trek halten, wenn nicht vergrößern würde. Voyager wurde als ein "Meilenstein" promotet, als "die Serie mit dem weiblichen Captain", und einem Cast mit drei starken Frauen, aber in Wahrheit war das doch nur ein letztendliches Annähern an die Realität. 45 Prozent der amerikanischen Führungspersönlichkeiten sind Frauen, und doch ist die Doppelmoral und der Konservatismus noch so groß, daß Hollywoodproduzenten die Sechziger (oder früher) in ihrer Arbeit noch immer am Leben erhalten. |

Nur ein weiterer männlicher Captain?
Scott Bacula ist
"Captain Jonathan Archer"
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Die dritte Gefahr, und es könnte die wohl drohendste von allen sein, erscheint im Lichte der genannten (vielleicht sogar zu großen) Unterschiedlichkeit der neuen Serie sicher seltsam. Es ist das Risisko, daß die neue Serie nur ein lahme Kopie ihrer Vorgänger sein wird, oder, was wahrscheinlicher ist, ein farbenfroher Mix der beliebtesten Elemente aller Serien. Um mutig dorthin zu gehen, wo schon viele zuvor gewesen sind...
Natürlich ist es nach so vielen Stunden Star Trek eine äußerst schwierige Aufgabe, nicht nur die Kontinuität zu wahren, sondern auch noch Originalität und Kreativität zu zeigen. Jedoch kann der völlig neue Zeitrahmen durchaus die Grundlage für wirklich einzigartige Geschichten liefern, wobei sich allerdings die Frage stellt, wie oft die Autoren diese Gelegenheit nutzen werden. Nüchtern betrachtet kann man eine "Raumanomalie-Episode" im 22. Jahrhundert ebenso wie im 24. verwirklichen, und ein stereotyper, langwieriger Krieg ist in der "Vergangenheit" sogar noch plausibler. Wie dem auch sei, das, was wir über "Enterprise" bis jetzt wissen, klingt diesbezüglich schon nicht besonders gut.
Tatsächlich ist der Titel "Enterprise" selbst (welcher hier in Deutschland durchaus für Verwirrung sorgen könnte, ist doch die Originalserie im ganzen Land als "Raumschiff Enterprise" bekannt), und die Rückkehr zu der ursprünglichen, eher allgemeinen Gene Roddenberry Prämisse eines "Raumschiffs Enterprise, daß die Sterne erforscht und mutigt dorthin vorstößt, wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist" zeigt, daß die Produzenten erneut auf Nummer sicher gehen und mit dem Konzept die größtmögliche Zahl an Fans ansprechen wollen.
Es scheint fast so, als ob die Show mit dem Hintergedanken erschaffen wurde, die Voyager und DS9 Fans zu vereinen, indem die Serie die besten Elemente beider Serien (wobei, wie angedeutet, leider die eher schlechten Punkte möglicherweise auch miteinbezogen wurden) kombiniert und dabei auch die Fans der Originalserie zurückbringen soll. Die Charakterisierungen und Beziehungen scheinen TOS mehr als jeder anderen Serie zu ähneln, während (wie in einer früheren Ausgabe erwähnt) die Archer-T'Pol Beziehung mich besonders an Sisko-Kira von Deep Space Nine erinnert. Neben der Enterprise selbst wird ein weiteres, nur allzu bekanntes Star Trek Element Teil der neuen Serie sein - die Klingonen, obwohl sie nach vier Serien und den meisten der Filme wirklich "abgenutzt" sind, kehren für ihre erste Begegnung mit der Menschheit zurück, vielleicht wiederum, um ein breiteres Publikum anzusprechen.
Und, als ob ich es nicht geahnt hätte, scheint heutzutage ein "Space babe" zum guten Ton einer Star Trek Show zu gehören. Nimm eine extrem gut aussehende, sexy Schauspielerin und gib ihr die Rolle des Charakters, der eigentlich die wenigsten Emotionen und die geringste Attraktivität haben sollte... das wird für eine Menge Sex Appeal sorgen. Ich spreche natürlich von Jolene Blalock, die die Rolle des vulkanischen Ersten Offizier übernimmt. Hoffentlich wird sie mehr als eine vulkanische Seven of Nine sein... |

Jolene Blalock ist "Subcommander T'Pol"
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Und: während Rick Berman "Enterprise" selbst als "revolutionär neu" und als "die Serie, welche Star Trek ins 21. Jahrhundert bringt" ankündigte, etwas, was von der regulären Besetzung irgendwie nicht wiedergegeben wird, sagte er weiterhin, daß auch hinter den Kulissen viel "frisches Blut" eingebracht werden würde. Allerdings habe ich bis jetzt nur gutbekannte Namen in der Produktionscrewliste gesehen. Wenn auch im Autorenteam alles beim alten bleibt, ist unsere einzige Hoffnung auf einen Unterschied im Look & Feel der Serie wohl das kreative Mitspracherecht, welches dem Archer Darsteller Scott Bakula eingeräumt wurde.
Wenn ich also die Chancen und Risiken abwäge, muß ich feststellen, daß die Gefahren die Möglichkeiten überwiegen. Jetzt, am Anfang, ist jeder - das schließt die Produzenten und Autoren ein - sehr begeistert und enthusiastisch in Bezug auf die Show eingestellt. Sicherlich wollen sie sie neu und erfrischend machen und dabei die Star Trek Werte, welche die Sage so einzigartig machen, um jeden Preis beibehalten. Sie wollen, daß diese Serie "Geschichte" macht, daß sie die Entwicklung aufzeigt, welche zur Gründung der interstellaren Allianz, die wir als "Föderation" kennen, führte, aber werden sie diese Prämisse wirklich für sieben Jahre wahren und die Geschichten immer entsprechend gestalten? Meiner Meinung nach sind die Schwierigkeiten sehr groß, ebenso wie die Versuchung, die groben Fehler der Vorgängerserien zu wiederholen. Und ich kann nur hinzufügen, daß ich äußerst mißtrauisch bin, daß sie tatsächlich planen, das "Star Trek" im Titel wegzulassen - ist dies eine Art Hintertür für den Fall, daß "Enterprise" fehlschlägt und die Serie "dekanonisiert" (d.h. aus dem offiziellen Star Trek Universum entfernt) werden muß, oder nur eine Erinnerung daran, daß diese Serie nur "vage auf dem von Gene Roddenberry erschaffenen Star Trek basiert"?
Aber - man weiß ja nie. Mein Ratschlag ist, wie immer, nicht voreilig Schlüsse zu ziehen, bevor wir die neue Serie tatsächlich gesehen und "gefühlt" haben. Und dieses Erlebnis könnte schon nächste Woche beginnen, direkt nach dem Ende von Voyager, wenn wir das erste Filmmaterial aus "Enterprise" sehen werden.
Laßt es uns hoffen - die Zukunft hat gerade erst begonnen.
Christian Rühl
Webmaster - Star Trek Dimension
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