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Interview mit Rick Sternbach
Das folgende Interview mit Rick Sternbach, der viele Jahr lang eines der wichtigsten Mitglieder des kreativen Stabes von Star Trek war, wurde von meinem Freund Bernd Schneider, Webmaster der Star Trek Dimension Partnersite Ex Astris Scientia, gehalten. Mehrere Fragen wurden von Mitgliedern der ASDB Gruppe, inklusive mir selbst (der Kartographie-Teil natürlich ;-) beigesteuert. Diese deutsche Übersetzung wurde von mir (Christian Rühl) angefertigt. Lesen Sie die (englische) Originalfassung des Artikels bei EAS.
 
Rick Sternbach hat seit "Star Trek: Der Film" im Star Trek Art Department (die künsterische Abteilung für die jeweiligen Star Trek Filme und Serien) gearbeitet. Er hat den Stil des 24. Jahrhunderts für die Requisiten von Star Trek: The Next Generation entwickelt, insbesondere für die Phaser und Tricorder, und den klingonischen Vor'cha Kreuzer und die cardassianische Galor Klasse entwickelt. Als Senior-Illustrator und technischer Berater von Star Trek: Voyager hat er u.a. das Raumschiff Voyager und den Delta Fyler entworfen.

Ich hatte das Glück, Rick im Namen unserer Trek Technologie-Fangruppe, dem ASDB, eine ganze Reihe an Fragen zu stellen. Während er keine Geheimnisse über den neuen Film verraten konnte, sprach Rick über das Entwerfen von Requisiten und Schiffen für Voyager, seine anderen Projekte und seine Meinung zu Enterprise.

 

Bernd Schneider: Welche Ihrer Kreationen für Star Trek hätten Sie gerne noch ausführlicher ausgearbeitet, neben Ihren wohlbekannten Lieblingsdesigns wie die USS Voyager?

Rick Sternbach: Das Aero-Shuttle natürlich, für das man die Runabout Kulissen für die Inennaufnahmen hätte verwenden können, um Geld zu sparen. Foundation Imaging hat eine sehr coole Demo des Aero-Shuttle Einsatzes erstellt, aber da hat sich nie etwas daraus entwickelt. Ich wünschte wir wären in der Lage gewesen, einige der tragbaren Requisiten wie die Phaser, PADDs usw. noch detailreicher zu gestalten, und größere Teile des Type 12 Shuttles und des Delta Flyers zu bauen. Viele dieser Wunschzettel-Dinge wären teuer, aber nicht unmöglich gewesen.



Wo das Aero-Shuttle sein sollte

(Star Trek: The Magazine,
Scan von BS)


BS: Ist es richtig anzunehmen, daß die Aero-Shuttle Andocksequenz ohne eine gute Story, die den Einsatz rechtfertigen würde, einfach zu teuer war? Nicht das ich den Delta Flyer missen möchte, aber wäre es nicht die logische Wahl gewesen, uns in "Extreme Risiken" ein (aufgerüstetes?) Aero-Shuttle statt der Konstruktion eines völlig neuen "Flyers" zu zeigen?

RS: Ich glaube nicht, daß die Produktion der entsprechenden CGI Szenen für eine typische Episode oder Zweiteiler so viel teurer gewesen wäre. Foundation Imaging hatte in eigener Zeit die Grundstruktur des Aeroshuttles fertiggestellt und für einen Test animiert. Das Cockpit und die anderen Innenkulissen wären für die Firma natürlich teurer geworden, obwohl ich mir sicher bin, daß die Umgestaltung der Runabout-Kulissen, wenn man sie aufbewahrt hätte, mit verhältnismäßig geringen Kosten verbunden gewesen wäre. Ich habe aber mit dem Auftritt des Delta Flyers auch kein Problem gehabt, da er mir die Gelegenheit gab, eine sehr coole Form zu entwickeln.


BS: Existiert das Aero-Shuttle überhaupt im realen Schiff, davon ausgehend, daß es nie zu sehen war und in der gesamten Serie noch nicht mal erwähnt wurde? Wenn ja, haben Sie eine Erklärung warum es angedockt blieb und die ganzen sieben Jahre vergessen wurde?

RS: Es existiert sicher, weil ja der Grundriß auf der Unterseite der Untertassensektion der Voyager zu sehen war. Ob das Schiff allerdings raumtauglich war ist eine ganze andere Frage. Vielleicht war der Story-Grund, warum es nie geflogen ist, daß die Voyager abgereist ist, bevor alle Systeme installiert worden sind. Von der Logik her hätte sie das nicht davon abgehalten, diese während der Reise fertigzustellen, da sie ja eine Menge Shuttle und zwei Delta Flyer während derselben Zeitspanne bauen konnten. Die Produktionsgründe umfaßten wahrscheinlich das Fehlen von guten Gelegenheiten, was die Geschichten angeht, das fehlende Wissen, das da überhaupt ein Aero-Shuttle war, und sogar der Unwillen, den Captain's Jacht Gag von Star Trek: Der Aufstand zu kopieren.


BS: Nachdem es "Type 9" (und später "Klasse 2") in den Episoden genannt wurde war ich überrascht, in der September 2001 Ausgabe des offiziellen Star Trek Magazins von einem "Typ 12 Shuttle" zu lesen. Ich nehme an, Sie bevorzugen "Typ 12" weil "Typ 9a" das Frachtshuttle aus dem ST:TNG Technischen Handbuch ist?

RS: Ich weiß nicht, wo dieses Typ 9 herkam, weil meine Entwürfe und Blaupausen es als Typ 12 bezeichneten. Die "Klasse 2" war eine Erfindung der Autoren; sie haben dauernd Klasse und Typ - egal ob es nun Schiffe oder Planeten betraf - durcheinandergebraucht. Offiziell hat sich niemand jemals mit der Namensgebung von echten Flugzeugen und Schiffen beschäftigt.



Typ 9/Typ 12/Klasse 2 Shuttle

(Star Trek Mechanics, Scan von BS)


BS: Apropos Requisitendetails, sehen Sie manchmal, daß ein zu detailarmer Gegenstand zu nahe an die Kamera kommt, und Sie nur hoffen, daß es den Zuschauern nicht auffällt?

RS: Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, daß das jemals in Bezug auf die Requisiten passiert wäre, aber es ist bei vielen Graphiken geschehen. Ich war bei den neueren Shows nicht zu sehr beteiligt, aber ich erinnere mich, daß bei TNG die Gagobjekte der Hauptmaschinenraum-Anzeige ein bißchen zu gut sichtbar waren. Die DC-3, das Hamsterrad, NOMAD, diese kleinen Kerle.


BS: Gibt es irgend etwas, was die erstellt haben, mit dem Sie überhaupt nicht zufrieden waren; etwas das Sie gern vergessen würden? ;-)

RS: Vielleicht nicht so sehr meine eigenen Beiträge, weil ich wirklich *versucht* habe, all die verschiedenen Designanforderungen und Launen der Produzenten zu befriedigen, aber ich denke, die Kazon-Teile haben für mich nicht funktioniert, insbesondere die uninteressanten tragbaren Requisiten (obwohl die Pistolen lustig waren). Sie waren nicht gerade interessante Gegner; niemand, den ich kenne, hat ihre Haare gemocht.

BS: Meiner Theorie bezüglich der Frage, warum sie die ganze Zeit die Voyager angegriffen haben, zufolge haben sie die Voyager die ganze Zeit angegriffen, um hinter das Geheimnis von Janeways Frisur zu kommen. Aber aufgrund der Hauptdirektive hat sie sich geweigert, ihnen die Technologie zu überlassen. :-)


BS: Unabhängig davon, was Sie für die Show erstellt haben, welche Episode mögen Sie am meisten und welche am wenigsten?

RS: Ich müßte darüber ein wenig nachdenken, und ich habe keine Episoden auf Video, um sie nochmal durchzusehen, aber ich denke ich muß sagen, daß ich "Ein Jahr Hölle" für all die großartige Technologie, die wir zusammen mit einer guten Story erschaffen haben (ungeachtet der Tatsache, daß einige der "Technikleute" vielleicht denken, daß ich zu sehr auf die Hardware fixiert bin, habe ich gute Geschichten plus gute Technik schon immer als die unschlagbare Kombination für Fernseh-SF angesehen.) Es macht nichts, daß die Voyager vernichtet, aber alles am Ende des Zweiteilers in den "Normalzustand" zurückversetzt wurde. Ich müßte wahrscheinlich die Episode mit dem riesigen fliegenden Virus als einen Tiefpunkt für mich bezeichnen, auch wenn Janeway mit dem großen Gewehr einen auf Ripley gemacht hat.


BS: Was ist der Status des ST:VOY Technischen Handbuchs? Das letzte, was wir darüber gehört haben, ist das Pocket Books sie abgesägt hat. Würden Sie es auch auf eigene Faust machen können/dürfen? Besteht die Chance, das wir so etwas wie ein Online-Handbuch von Ihnen sehen könnten (Tip: dafür hätten Sie viele Unterstützer in der Online-Fangemeinschaft)?

RS: Da Pocket Books / Simon & Schuster die Lizenz für Star Trek Bücher haben, sind sie die einzigen, die ein solches Voyager-Handbuch herausgeben könnten. Ich bin im Moment nicht geneigt, mit ihnen zusammenzuarbeiten, und zwar teilweise aufgrund der redaktionellen Meinungsverschiedenheiten bezüglich der 1701-D Blaupausen und des ST:DS9 Technischen Handbuchs. Nun, da ENTERPRISE im Rampenlicht steht und Pocket Book seine Veröffentlichungspläne weitestgehend auf Romane und einige spezielle Dinge wie die Kalender umgestellt hat, bezweifle ich, daß ein Voyager-Handbuch jemals das Tageslicht erblicken wird. Wegen der Kosten und der Sache mit der Lizenzverletzung wäre ich auch überhaupt nicht daran interessiert, das ganze auf privater Ebene umzusetzen; aus demselben Grund werde ich auch nicht meinen Namen oder mein Fachwissen für von Fans erstellte technische Handbücher hergeben können, egal ob nun web-basiert oder nicht.


BS: Das ist wirklich schade. Vielleicht hat das auch, unabhängig von Enterprise, mit dem - im Gegensatz zu TNG oder DS9 - offensichtlich nachlassenden Interesse der (amerikanischen, Anm. d. Ü.) Fans an Voyager in den letzten Jahren zu tun?

RS: Da ich mit meinen Finger nicht am Puls der Fangemeinschaft habe, könnte ich nicht ehrlich sagen, wie das Interesse an Voyager am Ende aussah, oder was Pocket Books von der Veröffentlichung von Technikbüchern abgebracht hat. Es könnte eine Kombination aus schwindendem Interesse und den harten wirtschaftlichen Gegebenheiten in Bezug auf große aufwendige Publikationen sein.


BS: Und da ich gerade dabei bin, Rick Berman und Brannon Braga haben vor kurzem ziemlich öffentlich zugegeben, das ihnen mit Voyager am Ende die Ideen ausgegangen sind. Haben Sie rückblickend den Eindruck, daß die letzte Staffel der Serie mehr oder weniger langweilige Routinearbeit war, während jeder schon eher über die Entwicklung der neuen Show begeistert war?

RS: Hängt davon ab, welche Abteilung man fragt. Im Art Department haben wir weiterhin bis ganz zum Schluß coole Kulissen, Schiffe und Requisiten entwickelt, und wir haben viel Spaß dabei gehabt. Wenn die Begeisterung der Autoren und Produzenten nachgelassen hat ist das natürlich bedauerlich. Ich akzeptiere nicht die Meinung, daß es keine guten Geschichten mehr zu erzählen gab, wenn jemand der Ansicht war, daß das Voyager-Szenario "abgeweidet" war. Gute Science Fiction kann man aus jeder Situation entwickeln.


BS: Ich habe das Design der 7. Staffel sehr gemocht. Ein Grund dafür ist die bewußte Verwendung von CGI (computererzeugte Bilder, Anm. d. Ü.), um die Weiträumigkeit des Weltraums als auch der Planetenkulissen zu zeigen (wohl am auffälligsen in "Workforce"). Daneben glaube ich bei den außerirdischen Raumschiffen und Kulissen die Tendenz zu bemerken , von den organischen Formen wegzukommen und stattdessen ein eher nutzenorientiertes und vielleicht auch realistischeres Design zu verwenden.

Gibt es noch irgendetwas, was Sie in Bezug auf Star Trek machen oder machen werden?

RS: Gegenwärtig arbeitete ich an Star Trek X, dem neuesten Kinofilm. Wir sind in der Vorproduktion, und meine genaue Arbeit umfaßt hautpsächlich die Erstellung von Graphiken im Art Department des Films.


BS: Ich bin froh, daß Sie zurück am Zeichenbrett sind. Viel Glück! Der Zusammenfassung zufolge, die früher in diesem Jahr veröffentlicht wurde, werden die Romulaner eine wichtige Rolle im Film spielen. Können wir hoffen, daß das Budget den Entwurf neuer romulanischer Gerätschaften und Raumschiffe erlauben wird, im Gegensatz zu TNG und DS9 wo es in dieser Beziehung wenig Abwechslung gab?

RS: Ich weiß nicht genau was wir in diesem Bereich sehen werden, weil wir gerade erst angefangen haben. Die verschiedenen Abteilungen arbeiten hart an den verschiedenen Designs; ich habe bisher hauptsächlich mit den Graphiken zu tun gehabt, und ich kann nicht erzählen, was wir gerade entwickeln! :)


BS: Wir werden uns gedulden.

Welche anderen Projekte treiben Sie zur Zeit voran? Welche Pläne für die Zukunft haben Sie?

RS: Wir werden mit der Arbeit am Kinofilm bis etwa Mitte März zu tun haben, und anschließend werde ich jeden Science Fiction Illustratoren Job ins Auge fassen, den ich finden kann; in der Freizeit arbeite ich an Astro Art und Weltraum-Schulungsprodukten zu den Themen Mars und interplanetare Raumfahrt.


BS: In gewisser Hinsicht ist Ihr Beruf (Science Fiction Kunst) das, was andere Personen als Hobby betreiben, während das, was sie außerhalb der Arbeitszeit machen, ziemlich "ernst" zu sein scheint. Zumindest in meinem Fall (ich bin Ingenieur in der realen Welt) ist es genau anders herum. :-) Wünschen Sie sich manchmal, als Ingenieur zu arbeiten und das, was sie im Sinn haben, tatsächlich bauen zu können?

RS: Als ich mich 1969 fürs College vorbereitete, war ich mir ziemlich sicher, daß ich letztendlich als Raumfahrtingenieur arbeiten würde; mittelmäßige Noten und das Ende des Apollo Programms sorgten jedoch dafür, daß ich mich in die Welt der Kunst begeben würde. Ich habe mit Wissenschaftlern und Ingenieuren an realen Projekten gearbeitet; ich weiß noch immer nicht, ob ich mich nun zu dem einen oder anderen Lager rechnen kann, da ich mich gern sowohl mit Science Fiction als auch dem "echten" Weltraum beschäftige. Klar, ich habe die letzten 14 Jahre in der SF-/Fantasy-/Medienwelt verbracht, aber ich habe immer Kontakte mit Leuten vom JPL, KSC, Ames und so weites aufrechterhalten.


BS: Verglichen mit den 1960ern hat die reale Raumfahrt ihre Attraktivität für die gewöhnlichen Leute verloren. Was würden Sie gern tun, um den vergangenen Esprit wiedereinzufangen (neben dem tatsächlichen Start einer bemannten Marsmission, die wohl definitiv das Interesse steigern würde)?

RS: Ich würde die NASA bitten, ihre PR/PAO Bemühungen deutlich zu erhöhen, um das Interesse der Leute zu wecken, sogar in einer Welt, in der es zunehmend "vielfältigere" Beschäftigungen wie Filme anschauen, CDs brennen und im Internet chatten gibt. Aber im Ernst, die Agentur hat nicht die besten Zeugnisse, wenn es um das Polarisieren der Weltöffentlichkeit geht, obwohl ich sagen muß, daß es eine ganze Menge engagierter Weltraum-Pädagogen gibt, die mit Kindern und Eltern arbeiten, um den Abenteuergeist wieder zu erwecken. Ich versuche, meine Kinder zu begeistern und sie zumindest dazu zu bringen, über den Weltraum nachzudenken, auch wenn sie die Sache nicht in gleichem Maße wie mich in den Bann zieht. Wenn du begeistert bist und ihnen etwas cooles und interessantes zeigst, dann werden sie es sich näher betrachten bevor sie zurück an das gehen was auch immer sie gemacht haben.


BS: Die wohl naheliegendste Frage: "Enterprise?" Was halten Sie von der Prämisse? Der Kontinuität?

RS: Ich denke die Prämisse hat ein großes Potential, obwohl ich, wie ich früher in diesem Jahr gesagt habe, die Geschichte mindestens 50 Jahre früher angesiedelt hätte, um den Publikum ein echtes Gefühl für die Schwierigkeiten der interstellaren Raumfahrt und den Treffen mit Außerirdischen aus Nachbarsystemen zu geben. So wie es jetzt ist, wurde die Technologie (und das "Technikgeplapper") ziemlich schnell wieder auf den Level, den wir in TNG und vielleicht sogar Voyager gesehen haben, gebracht. Das ist etwas, mit dem die Produzenten klarkommen müssen; Ich denke, sie hätten ein wenig cleverer sein können, was die Terminologie und Möglichkeiten (bzw. das Fehlen an Möglichkeiten) der Hardware angeht. Die Geschwindigkeiten und Entfernungen ergeben keinen Sinn mehr, was bedauerlich ist, wenn man daran denkt, daß es viele Leute im Stab und von außerhalb gibt, die sehr leicht eine Ordnung in Archers Universum hätten schaffen können, die die wissenschaftliche Plausibilität nicht *zu* sehr strapaziert hätte. Das Anpassen der Regeln aus dramatischen Gründen ist bis zu einem gewissen Grad akzeptabel, aber ich fühle mich etwas enttäuscht, daß Qo'noS nur 1.5 Lichtjahre von der Erde (rechnen Sie es aus) entfernt sein soll. Die Geschichten klingen bis jetzt zu vertraut. Ist Star Trek weniger als literarische SF? Vielleicht war es das schon immer, obwohl ich eine Zeit lang gehofft habe, das es zumindest *versuchen* würde, das Medienäquivalent zu den Werken von Ted Sturgeon, Anne McCaffery, Poul Anderson, Fred Pohl, Robert Heinlein, Ursula LeGuin, Larry Niven order Joe Haldeman zu sein; viele, die ich als Freunde gekannt habe und deren Arbeiten ich jahrelang gelesen und illustriert habe.


BS: Es scheint, als ob Braga und Berman so viel wie möglich bewahren wollten, was sofort als Star Trek erkennbar ist. Unglücklicherweise scheint dies "Plotrecycling" und wenig Veränderungen in der fiktiven Technologie zu beinhalten.  Haben Sie einen Ratschlag für die Enterprise Autoren? Vielleicht sogar eine Skriptidee?

RS: Nicht mein Verantwortungsbereich; sicher habe ich viele Ideen, von denen einige vielleicht sogar in guten Enterprise-Episoden resultieren würden, aber letztendlich werden sich die Autoren und Produzenten entscheiden müssen, wie hart sie daran arbeiten wollen, Geschichten wie "Terra Nova" durch das Kopieren von Voyagers "Friendship One" zu erhalten. Sie müssen ihre Gründe haben, so zu handeln, wie sie handeln; im Moment sind mir diese schleierhaft, weil ich weiß, daß es viele, viele Inspirationsquellen aus dem literarischen SF Universum gibt, die großartige Enterprise Geschichten ergeben würden.


BS: Was ist mit dem Raumschiff NX-01? Was hätten Sie anders gemacht?

RS: Ich hätte die Enterprise definitiv anders gestaltet als das, was wir auf dem Bildschirm sehen; verschiedene Umstände haben das Produktionsteam dazu bewogen, die Akira Klasse als Ausgangsform zu wählen, obwohl wir von ihrer Existenz als ein Schiff der "Zukunft" wissen. Die Begründung für die Gemeinsamkeiten im Aussehen könnten auf der fiktiven Ebene einfach erklärt werden, obwohl ich bezweifle, daß das Thema jemals in einer Geschichte angesprochen werden wird. Falls und wenn ich ein paar ruhige Wochenende habe, werde ich vielleicht meine eigene Designrichtung für das Schiff skizzieren.



Vergleich von Akira und NX-01
(erstellt von BS)


BS: Wir würden Ihre Ideen zu dem Schiff nur zu gerne sehen! Könnte es eine "politische" Entscheidung gewesen sein, die grundlegende Form der Akira zu verändern, um an dem etablierten Stil festzuhalten, mit dem Star Trek im allgemeinen identifiziert wird?

RS: Eine Geschichte, die ich gehört habe, ist, daß die Produzenten dachten, daß die ursprünglichen Skizzen von der NX-01 der TOS Enterprise ein bißchen zu nahe kamen, so daß einer von ihnen ein Bild der Akira ausgrub und es als ein Schiff darstellte, das nicht sehr viel zu sehen gewesen ist und damit ein möglicher Kandidat wäre.  Sie wurden informiert, daß die Akira tatsächlich ein bekanntes Schiff war, so daß sie die Designer aufforderten, die Basisform beizubehalten, aber es in ein älter aussehendes Schiff zu verändern.

BS: Eine der Theorien besagt, daß Cochrane ein Diagramm der Akira in einem PADD, das von Picards Crew zurückgelassen wurde, gefunden hat, oder daß das Design der Akira Klasse eine Hommage an die gute alte NX-01 ist. Aber als ein Ingenieur würde ich nicht versuchen, eine reine Form mit weiter entwickelter bzw. weniger weit entwickelter Technologie zu imitieren. Die beiden Erklärungen würden sowieso keine gute Geschichte ergeben.


BS: Von mehreren "Making of" Artikeln wissen wir, daß normalerweise wichtige Raumschiffe wie die USS Voyager von Grund auf neu erstellt werden und mehrere komplette Revisionen erfahren, bevor sie letztendlich genehmigt werden. Ich frage mich, wie das "Making of NX-01" anders als das Zeigen eines direkten Weges von der Akira zur NX-01, die sogar charakteristische Details der Akira beibehält, aussehen könnte. Von allen Dingen, die für die Serie entwickelt wurden, hätte da nicht das Hauptraumschiff einen kreativeren Prozess verdient?

RS: Schwierig zu sagen. Ich hatte hierauf keinen Einfluß, aber von den Leuten, mit denen ich gesprochen habe, die an der Geburt der NX-01 beteiligt waren, weiß ich, daß der Genehmigungsprozeß eine echte Qual war. Ich bin irgendwie froh, daß ich nicht beiligt gewesen bin, hatte ich doch mit Voyager, DS9 und TNG eine relativ leichte Zeit, obwohl eine kleine Anzahl von Schiffen und Requisiten vieler Veränderungen bedurften. Ich habe nicht mehr als eine oder zwei frühe NX-01 Entwürfe gesehen, so daß ich nicht weiß, wie viel Tinte für das Designen des Schiffes verbraucht wurde. Letztendlich werde ich vielleicht ein paar Vorgänger für die TOS Enterprise aufzeichnen, aber man sollte nicht darauf warten. Ich bin mir sicher, viele Ihrer Kollegen vom ASDB und anderen Gruppen könnten *leicht* die Lücken zwischen der Ares IV und der NCC-1701 füllen.

BS: Nun, zumindest das Schiff in der Eröffnungsszene und die Conestoga aus "Terra Nova" passen recht gut, so daß es auf jeden Fall Spaß machen wird, Schiffe dieser Ära zu entwerfen.


BS: Was halten Sie von der bisherigen Arbeit des ASDB? Vielleicht haben Sie einige Beiträge?

RS: Die Site sieht nach einer Menge Spaß aus. Es ist immer gut, eine Möglichkeit zu haben, die eigenen kreativen Raumschiff-Ideen zu realisieren und publizieren, also bleibt am Ball. Wenn ich einen Rat zu geben habe, dann wäre es der, von den Cut & Paste Designs und dem Verwenden von Teilen existierender Designs wegzukommen, sondern sich wirklich die Zeit zu nehmen, die Evolutionsschritte von einem Schiff zum anderen genau darzulegen, oder die nächste Klasse einer Schiffes aufgrund von technologischen Verbesserungen zu extrapolieren. Wir haben damit bei Voyager ein wenig zu spät angefangen, aber ich habe den Versuch unternommen, die Phaser weiterzuentwickeln, die Schilde weiterzuentwickeln usw. Warum nicht eine Schiffshülle mit einem neuen Schildemitter ausarbeiten, der das übliche Gitter ersetzt? Macht die Phaserstreifen schmaler und noch rotbrauner. Macht die Hülle kupferfarben. Diese Art von Dingen. Entwickelt die Technologie weiter, und verwendet nicht bloß dieselben Elemente wieder und wieder.

BS: Der Hauptgrund, warum der Stil der Hüllenpanzerung und der Details so vertraut wirkt, ist, daß die meisten unserer Schiffe in der Zeit zwischen der Ambassador und der Galaxy Klasse angesiedelt sind, und wir versuchen zu interpolieren statt zu extrapolieren. Aber Sie haben Recht, daß wir etwas mit den neueren Schiffen machen sollten. Wenn sie irgendwelche nicht gesehenen Entwürfe für Trek Schiffe haben, können Sie sie uns gern zusenden!

RS: Grundsätzlich schaue ich auf gegenwärtige Entwicklungen in der Raumfahrttechnologie, Materialwissenschaft, Energieerzeugung, diese Art von Sachen, und stelle mir eine Gruppe von Ingenieuren vor, die über Subraum konferieren, wie man dieses oder jene System verbessern könnte, und gehe von den allgemeinen Sachen zu den Details. "Jack, wenn wir die Aufsatzplatine des Transporteremitters mit Bertnernium ersetzen, können wir die Elementgröße auf 60cm verkleinern, und die anzahl der diskreten Elementverbindungen auf fünf." "Richtig, Bob, und die einzige Auswirkung, die das auf die Umwelt-Schutzsicht haben wird, ist ein Wechsel von Nonomal 683a (eine Pfirsischfarbe) zu 842 (ein metallisches Braun), wenn wir annehmen, daß  uns die Labortests eine Lebensdauer von fünfzig Jahren geben." "Gut. Wir werden auf die Proben und die Simulationen warten, um dies zu erfahren. Ich denke auch, daß wir das redundante Paar an Abdeckungen auf den +Y und -Y Oberflächen der Schiffe eliminieren können, sogar auf den Shuttles. Die neuen EPS Verbindungen sind verläßlich genug, um uns die Installation eines neuen Emitters oben und eines unten zu erlauben, und wenn einer ausfällt transportieren wir einfach durch die Struktur auf dem entgegengesetzten Vektor."

So einfach ist das. :)

BS: Obwohl ich das nie so detailliert betrachtet habe, stimme ich zu daß die Vereinfachung von Dingen, die Material- und Gewichtseinsparung, und die Kostenerparnis allgemein tatsächlich das ist, worauf Ingenieure neben der Gewährleistung der Funktionsfähigkeit achten müssen. Das wird in 400 Jahren wahrscheinlich noch genauso sein. Oder, wie Leonard McCoy sagen würde: "Ich kenne die Ingenieure. Sie lieben es, Dinge zu verändern."


BS: Denken Sie übrigens, daß die Farbe der Hüllenplatten eines realen Raumschiffs tatsächlich Farbe ist (wie Archer in "Broken Bow" vorschlägt), obwohl es oft sehr metallisch aussieht?

RS: Er sagt etwas über das das Abkratzen der Farbe von der Hülle, richtig? Ich bin mir sicher, daß ist bloß eine Redewendung; die äußere Schicht könnte tatsächlich eine irgendwie aufgesprühte, gehärtete oder galvanisierte exotische Anti-Erosionsschicht sein, aber keine Farbe im traditionellen Sinne.


BS: Lassen Sie uns mit ein paar allgemeinen Kartographiefragen abschließen. Gibt es irgendeinen bestimmten Grund, warum der Beta Quadrant fast nie erwähnt wurde, weder in DS9 noch in Voyager? Warum hat die Voyager nie den Beta Quadrant erreicht?

RS: Ich kann nur raten, daß die Autoren nur den Delta Quadranten in den Gedächtnissen der Zuschauer festhalten wollten, ohne daß diese sich mit etwas neuen beschäftigen müßten. Sie sind mit dem, was ich "ortsbezogene Technik" wie die Position oder den Kurs der Voyager nenne, nicht besonders gut umgegangen, trotz adäquater Erklärungen und Diagramme.


BS: Warum hören die Trek Autoren nicht öfters auf die Empfehlungen der technischen Berater, was gewöhnlich nur das Verändern eines Wortes oder einer Zahl im Skript erfordern würde? Auf dem Gebiet der Astronomie zum Beispiel hätten sie mehr echte Sterne erwähnen können, oder sie hätten leicht konsistente Geschwindigkeiten und Entfernungen statt eines "handlungsabhängigen Antriebs" verwenden können.

RS: Ich habe während meiner Zeit zwei grundlegende (und zugegebenermaße vereinfachende) Eindrücke gewonnen: erstens, sie kontrollierten die Geschichten und Ideen, bis zum Ausschluß von äußeren Einflüssen; zweitens, sie haben den Informationen, die einige von uns ihnen gegeben haben, nicht völlig vertraut. Die Entfernungen und Geschwindigkeiten sind natürlich ein wenig unsinnig geworden, bis zum dem Punkt an dem Worf von Bajor nach Qo'noS in der Werbepause fliegen konnte. Technologische Kontinuität hat den Autoren immer Kopfzerbrechen bereitet, aber das ist ihr Problem. Ich werde immer glauben, daß die situations-bestimmten Einschränkungen zu *besserem* Drama führen können, aber wenige Leute scheinen sich dieser Tatsache bewußt zu sein. Nach 14 Jahren hat sich mein Gefühl doch sehr verstärkt, daß Star Trek, wenn auch gute Space Fantasy, doch nicht gerade literarische Science Fiction ist, und die Produzenten damit ziemlich zufrieden sind. Jedoch muß ich sagen, daß Jeri Taylor eine Menge der ihr vermittelten wissenschaftlichen und technischen Terminologie verwendet hat, und hin und wieder versucht hat, interessante Ideen zur Verwendung der Hardware einzuführen, und ich bin ihr dafür sehr dankbar. Sie hat nicht für jede Episode ein cooles Technikkonzept übernommen, aber wenn es für das Drama funktioniert hat, hat sie sich dafür eingesetzt. Ich bin immer für die Technik zu haben, aber ich respektiere die Notwendigkeit, es in die Story zu integrieren. Die Wissenschaft und Technologie bei TNG war wesentlich besser als bei Voyager, aber letztendlich ist es auch nicht dieselbe Show. Das soll nicht heißen, daß man bei Voyager nicht besser mit der  Technik hätte umgehen können, es ist lediglich eine Sache der in die Produktion und das Schreiben involierten Leute, und in welche Richtung sie die Serie bringen wollten. Ich kann nicht ihre Gedanken lesen; ich kann nur kommentieren, was ich gesehen habe.


BS: Eine beliebte Frage der Fans beschäftigt sich mit der Entfernung zwischen der Erde und Bajor. Wie groß ist diese Entfernung ihrer Meinung nach, oder wie groß ist die Region der "Kernwelten der Föderation", wie sie im ST:DS9 Technischen Handbuch erwähnt wird?


Die Star Trek Dimension Map of Local Space
(mehr im Star Trek Kartographie Projekt)

RS: Ich glaube, wir haben versucht die Entfernung Erde-Bajor mit etwa 52 Lichtjahren festzulegen; ich habe mir den Text in letzter Zeit nicht angeschaut. Ich denke nicht, daß man einen totalen Durchmesser oder Volumen der Föderation festsetzen kann, da der beschützte, kontrollierte oder angeschlossene Raum die Gestalt einer großen Amöbe mit "Auswüchsen", die sich nach außen erstrecken, annehmen muß. Jedoch könnten die ursprünglichen Zentralwelten der Föderation in einer Kugel mit rund 20 Lichtjahren Radius liegen.


BS: Vielen Dank, daß Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten. Christian ist ebenfalls für Ihre Hilfe sehr dankbar, und dank seiner Intitiative ist eine Straße in seiner Heimatstadt nach Ihnen benannt. ;-)


Sternbachstraße

RS: Kein Scherz? Wow, das ist cool! Danke für das Photo. Ich werde mir einen großen Ausdruck anfertigen und es in meinem Büro aufhängen. Die Leute werden neidisch sein. :)

BS: Ja! Die Sternbachstraße gibt es wirklich.

 

 

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